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Europäische Kunst

   
Allein die Idee des oeffentlich zugaenglichen Museums in Saratow kam seinem Gruender, dem Kuenstler und Sammler Alexey Bogolyubov (1824-1896) in Deutschland, genauer gesagt in Duesseldorf. Dort studierte er im Atelier von Andreas Achenbach (1815-1910), wo er 1859 den Maler Alexander Michelis (1823-1868) kennenlernte, der selber Kunst sammelte und davon traeumte, ein Museum in seiner Heimatstadt Muenster (Westfalen) zu gruenden. „Der Gedanke von Michelis ging mir nicht aus dem Kopf und wenn auch ich es war, der das Radishchev Museum gruendete, ist er derjenige, dem ich deswegen schuldig bin.“ Radishchev Museum in Saratow, das im Jahr 1885 seine Tore den Besuchern oeffnete, sollte das erste Museum Russlands werden, das dem breiten Publikum zugaenglich gemacht wurde. Alexey Bogolyubov war kein reicher Mann und betrieb seine Sammeltaetigkeit entsprechend seinen Moeglichkeiten. Die Werke Alter Meister – Malerei, Skulptur, Kunsthandwerk – kaufte er in den Antiquitaetenlaeden Europas. Bei den Werken seiner Zeitgenossen handelte es sich meistens um die Arbeiten seiner Freunde und Kollegen, die er direkt von den Kuenstlern erwarb oder im Austausch gegen eigene Bilder bekam.
Die Sammlung deutscher Kunst stellt einen der besonders interessanten Bereiche des Museumsbestandes dar. Sie formierte sich im Verlaufe des gesamten Bestehens des Hauses und wird bis heute durch Neuerwerbungen ergaenzt. Zu den dazu gehoerigen Stuecken zaehlen Gemaelde, Zeichnungen, Grafiken, antike Buecher, Skulptur und Kunsthandwerk. Die Sammlung des Radishchev Museums wird systematisch erforscht und die gesammelten Ergebnisse regelmaessig publiziert. Vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten wurden bei der wissenschaftlichen Erfassung des Bestands Kontakte zu den Kollegen aus vielen deutschen und russischen Museen und Institutionen hergestellt. 
Zum jetzigen Zeitpunkt wurden bereits drei Baende des Bestandskatalogs herausgegeben. Eingehende Informationen zu den Gemaelden, Skulpturen und Zeichnungen deutscher Meister, einschliesslich der Begruendung der Zuschreibung jedes der Werke, wurden im zweiten Band dieser Reihe publiziert: Саратовский государственный художественный музей имени А. Н. Радищева. Живопись. рисунок, скульптура, шпалеры. Каталог. Саратов, 2008 (Saratower Staatliches Radishchev Museum fuer bildende Kuenste. Malerei, Zeichnung, Skulptur, Tapisserien. Bestandskatalog. Saratow 2008). Die Werke russischer Kuenstler, darunter auch derer deutscher Abstammung, wurden in den ersten Band aufgenommen: Саратовский государственный художественный музей имени А. Н. Радищева. Живопись русских художников XVIII- нач. XX века. Каталог. Саратов, 2004 (Saratower Staatliches Radishchev Museum fuer bildende Kuenste. Malerei russischer Kuenstler des 18. – fruehen 20. Jahrhunderts. Bestandskatalog. Saratow 2004).
 
 MALEREI 
 DEUTSCHLAND 

Unter den bedeutendsten dieser Museumsobjekte befindet sich eine Reihe von Altartafeln aus dem 15. Jahrhundert. Der beiderseits bemalte Altarfluegel mit den Szenen der Verkuendigung und Geburt Mariae, welcher zunaechst als das Werk eines niederlaendischen Meisters des 16. Jahrhunderts inventarisiert wurde, wird heute einem Nuernberger Meister um die Mitte des 15. Jahrhunderts zugeschrieben. Es handelt sich dabei nicht nur um die aelteste deutsche Altardarstellung im Bestand unseres Hauses, das Stueck sticht zudem durch sein grosses Format hervor. In der wissenschaftlichen Literatur werden Altaere mit solchen Fluegeln als Hauptaltaere bezeichnet. Auf der Festtagsseite ist die Verkuendigung mit dem Engel zu sehen, der in einem Segensgestus zur Jungfrau zugewandt ist, die ihre Haende zum Gebet zusammenlegt. Wie es scheint, hoerten die Mitglieder der Kirchengemeinde, die vor diesem Bild standen, die feierliche Hymne auf der Schriftrolle des Engels: „AVE ORARIA PLENA DOMINUS RERUM“. Auf der Alltagsseite ist eine intimere Szene, die Geburt Mariae, abgebildet. Da die Darstellungen auf beiden Seiten des Fluegels der Jungfrau Maria gewidmet sind, befand sich der Polyptychon, dessen Bestandteil diese Tafel einst war, hoechstwahrscheinlich in einer der Muttergottes geweihten Kirche. Ins Museum kam der Altarfluegel im Jahr 1920 aus der Sammlung des Herzogs Pavel Petrovich Vyazemsky (1820-1888). Vyazemsky, selbst ein Literaturhistoriker und Archeograph, besass eine einzigartige Kollektion deutscher Altartafeln, die – wie auch andere vor der Renaissance entstandene nordeuropaeische Werke – den meisten seiner Zeitgenossen grob und barbarisch erschienen. Offensichtlich wurde der Sammler von der tiefen Religiositaet angezogen, die diese Werke mit der altrussischen Malerei und Literatur verband. 
Ein hervorragendes Beispiel der nordeuropaeischen Renaissancekunst ist die Tafel Die Heiligen Drei Koenige eines deutschen Malers des fruehen 16. Jahrhunderts. Wahrscheinlich war dies einst die Mitteltafel eines kleinen Kirchen- oder Hausaltars. Bewundernswert ist das meisterhafte Koennen des Kuenstlers, der in dieser kleinformatigen, fast monochromen Komposition die Wirkung einer unendlichen, durch das goettliche Licht verwandelten Welt erzeugt. Diese Arbeit wurde dem Museum von Alexey Bogolyubov selbst uebergeben. 
In den Bildern deutscher Kuenstler des 17. und 18. 
Jahrhunderts ist die Wirkung unterschiedlicher internationaler Schulen erkennbar. Ein Beispiel fuer den internationalen Stil des 17. Jahrhunderts ist die Herde mit Hirten von Johann Heinrich Roos (1631-1685). Ein Vertreter der bekannten deutschen Malerfamilie, absolvierte er seine Ausbildung in Holland und Italien. Idyllische Szenen vor dem Hintergrund antiker Ruinen waren eine Spezialitaet dieses Meisters. Die Farbgebung des Bildes basiert auf den Kontrasten zwischen Licht und Schatten sowie zwischen den warmen und den kuehlen Toenen. Der gesamte Bildraum wird aber durch das weiche goldschimmernde, seitlich einfallende Licht, das selbst die entferntesten Partien erreicht, zusammengehalten. Von einem, dem Kreis des Hamburger Malers Jurian (Juergen) Jacobsen (1624-1685) angehoerigen Maler, wurde vermutlich Ende des 17. Jahrhunderts die Eberjagd ausgefuehrt. Die Jagdszenen wurden sehr energisch gemalt, wodurch der Eifer der Verfolgung, die steigende Spannung des Kampfes und die Heftigkeit des Zusammenstosses betont werden. Darin ist der Einfluss des bekannten flaemischen Kuenstlers Frans Snyders (1579-1657) offensichtlich. Die Verbindung zu der flaemischen Tradition ist ferner im Gemaelde Schlacht eines unbekannten deutschen Malers des 17. Jahrhunderts zu sehen. 
Der Dresdener Maler Ernst Christian Dietrich (1712-1774) wurde fuer seine Faehigkeit geschaetzt, in der Manier Alter Meister zu arbeiten. So wurde auch sein Tuerke im Stil der Orientalenkoepfe Rembrandts gemalt, den Dietrich besonders gerne imitierte. Ihm wird ferner die Anbetung der Hirten zugeschrieben, welche zu den so genannten naechtlichen Anbetungen zaehlt, bei denen die Geburt Christi in einer Hoehle dargestellt wird. 
Die Sammlung deutscher Kunst des 19. Jahrhunderts zeichnet sich durch Vielfalt der Stile und Gattungen aus. Im Biedermeierstil ist das Gemaelde Im Zimmer von August Anton Tischbein (1720-1784). Das einzige deutsche Stillleben im Besitz des Hauses stammt vom Caesar Willich (1825-1886), der in erster Linie als Portraetist bekannt wurde. Zwei kleinformatige und sehr farbenfrohe Vogelhoefe wurden von den Tiermalern Gustav Mesmer (geb.1865) und Wilhelm Scheuer (1788–1879) angefertigt. Die trauende Muttergottes mit dem Engel , die in das Jahr 1861 datiert ist, ist eines der fruehesten religioesen Darstellungen von Berngard Plockhorst (1825-1907). Er folgte der Tradition der Nazarener, die danach strebten, die monumentale Kunst des Mittelalters und der Fruehrenaissance zum neuen Leben zu erwecken. Die Kompositionen dieses Meisters wurden von seinen Zeitgenossen sehr hoch geschaetzt. Das Bild gehoerte einst Alexander Ivanovich Guchkov (1862-1936) – der aus einer alten Moskauer Kaufmannsfamilie stammte und zu den Mitgliedern des Staatsrates zaehlte – und wurde wahrscheinlich zu seinen Studienzeiten in Deutschland erworben. Das fein gemalte Bildnis einer Frau des Professors der Dresdner Kunstakademie Julius Scholtz (1825-1993), welches eine elegante Dame im Garten zeigt, ist ein gutes Beispiel fuer die so genannte Salonmalerei. Das in der zweiten Haelfte des 19. Jahrhunderts populaere Sozialportraet wird durch das Bildnis des Zimmermannes Joseph Tietschin aus Herischried von Ludwig Knaus (1829-1910) praesentiert. Nach der Beendigung der Duesseldorfer Kunstakademie lebte Knaus hauptsaechlich in Berlin und malte zahlreiche Portraets von Bauern und Handwerkern im suedlichen Schwarzwald.
Brand im Feuer des Muenchner Malers Carl Rottmann (1797-1850) ist ein Beispiel fuer die heroische romantische Landschaft. Feuer – ein unkontrollierbares Naturelement, das alles Lebende vernichtet – ist eines der beliebtesten Themen der romantischen Epoche. Rottman, der groesstenteils im Auftrag des bayerischen Koenigs Ludwig I. taetig war, strebte danach, die Stellung der Landschaftsmalerei an die der hochgeschaetzten Historienmalerei heranzufuehren. Das Gemaelde wurde 1858 in der Ausstellung der Muenchner Kunstakademie gezeigt. Bereits zu diesem Zeitpunkt gehoerte es zusammen mit fuenf weiteren Landschaften dem pensionierten russischen Oberst des Kavallerie-Regiments Andrey Ivanovich Baryshnikov (1802-1864), der den Maler persoenlich kannte: Seit mehreren Generationen sammelte das alte adlige Baryshnikov-Geschlecht deutsche Kunst. Einige dekorative romantische Ansichten des fruehen 19. Jahrhunderts schmueckten einst die Waende des Hauses von Nikolaus Pavlovich Kokuyev (1854–1913/14). Die Mitglieder der Saratower Kaufmannsfamilie Kokuyev koennen nicht unbedingt als Kunstsammler charakterisiert werden, denn Kunstwerke wurden von ihnen vielmehr als Teil der Innenausstattung, als den Alltag schmueckende Gegenstaende, erworben. Dabei spielten der persoenliche Geschmack und nicht zuletzt das vernuenftige Preis-Leistungs-Verhaeltnis eine entscheidende Rolle. 
Eine wohl am besten geschlossene Gruppe von Landschaften bilden Arbeiten der Duesseldorfer Schule, die ueberwiegend vom Alexey Bogolyubov ins Museum kamen. Erstmals sah er die Werke von Andreas Achenbach (1815-1910) und anderen Duesseldorfer Malern 1854 in einer Kunsthandlung in Berlin. Darueber berichtet er in seinen Aufzeichnungen des Seefahrers und Malers: „Ploetzlich sehe ich Scheveningen von Andreas Achenbach. Ich schaue mir es an und kann meinen Blick nicht davon lassen. Die Menschen, die Panik, die Pferdewagen – all das ist in Bewegung, mit den Schiffssegeln und der Brandung, die mich traeumen lassen, und alles versinkt im leuchtenden Wasserstaub. [...] und ich lese ueberall: „Duesseldorf“ hier, „Duesseldorf“ da.“ Dieser Eindruck war so nachhaltig, dass davon die Ausrichtung von Bogolyubovs Schaffen und das Schicksal des Museums bestimmt werden sollte. Denn von diesem Moment an beginnt Bogolyubov, die Bilder der Duesseldorfer Schule zu sammeln. Er kauft unter Anderem eine Arbeit des grossen Meisters selbst, Brandung am Bootshafen, in der das sowohl von Andreas Achenbach als auch von Bogolyubov bevorzugte Motiv aufgenommen wurde. In den sich im Museum befindlichen Werken von Oswald Achenbach (1827-1905), Andreas Achenbachs Bruder, ist die Poesie und Harmonie zu spueren, die gleich bei Bogolyubovs ersten Begegnung mit dessen Bildern seine Aufmerksamkeit auf sich zogen: „...hier ist schon Italien, aber mit den Figuren und den feinen, harmonisch angestimmten Farbtoenen ... ich lese „Oswald Achenbach“. Das Gemaelde Neapel. Abend, dessen Motiv der Kuenstler seit 1857 aufgreift, wurde mit Bogolyubov als Vermittler fuer Tsarevich Alexander Alexandrovich erworben und befand sich in dessen Sammlung bis 1873, als es gegen ein anderes Bild Oswald Achenbachs aus der Sammlung Bogolyubovs getauscht wurde. 
Zum Museumsbestand gehoeren ferner die Landschaften von Felix Kreutzer (1835-1876), Julius Rollmann (1827-1965) und Eugen Duecker (1841-1916). Letzterer kann sowohl der deutschen als auch der russischen Malereischulen zugerechnet werden: Seine Kuenstlerkarriere fing er als Student der Kaiserlichen Kunstakademie in Sankt Petersburg an und endete als Professor an der Duesseldorfer Schule, wo er ueber vierzig Jahre unterrichtete. 
Zu den bedeutendsten Arbeiten europaeischer Kuenstler des 20. Jahrhunderts zaehlt die Landschaft. Носhflut des Muenchner Malers Julius Seyler (1873-1955). Gemalt in den 1930er Jahren, gehoert sie zu den Hoehepunkten seines Schaffens. Der bewegte, breite, freie Duktus und die strahlenden Silbertoene evozieren den Eindruck eines mit feuchter Fruehlingsluft erfuehlten Raumes. 
Die Komposition Menschen werden nichts davon wissen ist ein Werk des Mitbegruenders der ersten dadaistischen Vereinigung Deutschlands, eines der fuehrenden Vertreter der Neuen Sachlichkeit Max Ernst (1891-1976). Diese Arbeit wurde in einer Mischtechnik aus Tempera und Gouache auf Karton ausgefuehrt; die in OEl gemalte Variante des Bildes, das mit 1923 datiert ist, befindet sich in Tate Modern in London. Die Erwerbung des Werkes von Max Ernst im Jahr 1994 war fuer unser Haus ein grosser gluecklicher Zufall. 

MALEREI 
RUSSLAND 

Einen bedeutenden Platz in der Museumssammlung nimmt die so genannte rossika ein: die Auftragsportraets der Mitglieder der kaiserlichen Familie und anderer Vertreter des Hochadels, die von deutschen Meistern, die in Russland taetig waren, sowie auch von den russisch-deutschen Kuenstlern des 19. Jahrhunderts ausgefuehrt wurden. Das Portraet des Fabeldichters Ivan Krylov, das von dem gebuertig aus dem Herzogtum Kurland stammenden Johann Lebrecht Eggink (1787-1867) gemalt wurde, zeigt einen weisen, in die Jahre gekommenen Mann, der keine irdischen Freuden gemieden hat. Der Kuenstler kombiniert die fuer die deutsche Kunst charakteristische Detailfreude mit der tiefen Psychologisierung des Modells. 
General-Admiral Apraksin gefangen im Eis auf der Insel Hochland (Eisbrecher im Eis), ist das Bespiel einer heroischen Landschaft, die von einem Mensch berichtet, der sich den Naturelementen tapfer widersetzt. Der Russlanddeutsche Carl von Winkler (1845-1900) malte ueberwiegend alte Strassen seiner Heimatstadt Reval und dieses Sujet stellt eine Ausnahme in seinem Schaffen dar. Eine wichtige Stellung in der Geschichte der russischen Kunst nehmen die Vertreter des deutschen Baronen-Geschlechts Clodt von Juergensburg ein. Im Besitz des Museums befinden sich nicht nur Skulpturen des beruehmten Peter Clodt von Juergensburg (1805-1867), sondern auch die Gemaelde anderer Mitglieder dieser talentierten Familie. An der Traenke von Mikhail Konstantinovich Clodt (1835-1914) ist ein Beispiel fuer russische kleinformatige poetische Landschaftsmalerei. Von Karl Wenig, der mit Bogolyubov an der Kunstakademie studierte, kam zudem das Bildnis von Anna Sagoskina. Und 1966 schenkte eine Bewohnerin von Saratow dem Museum eine Landschaft seines Sohnes Pavel Karlovich Wenig (1870-1942). 
Maedchen mit Blumen ist eine charakteristische Arbeit von Carl Johann Lemoch (1841-1910), dem die sentimentalen und poetischen Darstellungen der Bauernkinder besonders lagen. Carl Lemoch war einer der wenigen Genremaler der demokratischen Ausrichtung, die sowohl von seinen Malerkollegen respektiert, als auch von den offiziellen Institutionen anerkannt wurde. Er nimmt gegen 1880 unter anderem die Einladung an, den Kindern der Zarenfamilie – darunter dem zukuenftigen Zar Nikolaus II. – privaten Zeichenunterricht zu geben. In den letzten Jahren seines Lebens arbeitet Lemoch als Konservator im Museum des Alexander III. (heute das Staatliche Russische Museum) in Sankt Petersburg. 
Italienerin auf dem Balkon von Karl Timoleon von Neff (1805-1877) ist eines der wirkungsvollen und auffaelligsten Werke in der Museumssammlung. Es ist offensichtlich, dass der Maler von der klassischen italienischen Kunst beeinflusst wurde. Der gebuertige Este Karl Timeleon von Neff studierte an den Kunstakademien in Dresden und in Rom. Ihm kamen im Verlaufe seines Lebens verschiedene Ehren zuteil, darunter die Ehrenmitgliedschaft in der Florentiner Kunstakademie und die Stelle als Konservator an der Staatlichen Eremitage. 
Organisch ergaenzt wird russischer Teil der Ausstellung durch die Werke von Bogolyubov, der in der wissenschaftlichen deutschen Literatur als ein Vertreter der Duesseldorfer Schule beschrieben wird. In der Exposition werden Bogolyubovs Rheinlandschaften und Ansichten von Bonn, Coburg und Duerkheim der 1880er Jahren gezeigt. Sie stellen hervorragende Beispiele der europaeischen Freilichtmalerei des spaeten 19. Jahrhunderts dar und vereinen ganz im Sinne der Duesseldorfer Schule die Merkmale der Romanik mit denen des Realismus. 

ZEICHNUNGEN
DEUTSCHLAND

Die Sammlung deutscher Zeichnungen erfasst den Zeitrahmen zwischen 17. und dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Zwei Zeichnungen des fruehen 17. Jahrhunderts kamen aus der ehemaligen Kollektion der Grafen Orlov-Davydov. Vladimir Petrovich Orlov-Davydov (1856-1882), ein Schriftsteller und Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften, sammelte Zeichnungen Alter, darunter auch deutscher Meister sowie alte Handschriften und Buecher. Beide Zeichnungen sind ausgezeichnete Beispiele der barocken Kunst. Der Autor der Maria mit Christuskind in der Engelsglorie, der Hofkuenstler bayerischer Koenige Johann Matthias Kager (1575-1634), gibt auf dem mittelgrossen Blatt den Jubel zu Ehren Marias wieder. Auf einem anderen Blatt eines unbekannten, vermutlich Muenchner Meisters, ist die in der barocken Epoche ausgesprochen populaere Darstellung eines Schutzengels zu sehen. 
Wie im Fall der Gemaeldesammlung ist auch hier das 19. Jahrhundert am vollstaendigsten vertreten und durch besonders interessante Objekte praesentiert. Im Schaffen von Caspar David Friedrich (1774-1840) kommt der deutsche romantische Geist Deutschlands zum Ausdruck. Die Zeichnung Tore eines Friedhofs, die zunaechst als die Arbeit eines unbekannten Malers klassifiziert wurde, wird inzwischen nach der Analogie zum Gemaelde Friedhof (1828-1830) aus der Kunsthalle Bremen Caspar David Friedrich zugeschieben. Hier wendet der Kuenstler die fuer ihn typische Aufteilung heller und dunkler Partien an: Die Landschaft, die sich im Hintergrund erstreckt, wird von oben beleuchtet, waehrend der Vordergrund, der symbolisch fuer das weltliche Dasein steht, in die Dunkelheit getaucht ist. Die Zeichnung befand sich frueher in der Sammlung des Saratower Adelsgeschlechts Yuryevich, zu dem Semyon Alexeyevich (1798-1865), eines der Erzieher des zukuenftigen Zaren Alexander II., zaehlte. Wahrscheinlich wurde diese Arbeit, wie auch andere Werke europaeischer Kuenstler, 1838 erworben, als Semyon Alexeyevich den Zarewitsch auf seiner Europareise begleitete. 
Der Autor der Zeichnung Das Gleichnis vom Schalksknecht ist der wohl bekannteste deutsche Historienmaler des 19. Jahrhunderts Wilhelm Kaulbach (1804-1874). Die Zeichnung weist ein ungewoehnlich grosses Format (960 × 703 mm) auf. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine vorbereitende Studie fuer eine der monumentalen, vermutlich verloren gegangenen Ausmalungen des Kuenstlers. Die in der deutschen Kunst der Zeit populaere Reisezeichnungen und Kampfdarstellungen wurden vom bekannten Schlachtenmaler Friedrich Kaiser (1815-1890) ausgefuehrt. 
Eine Ergaenzung zur Gemaeldesammlung des Museums bilden Landschaftszeichnungen von Andreas und Oswald Achenbach, Ludwig Becker (1855-1940), Ferdinand Hoeppe (1841-1922). 

ZEICHNUNGEN
RUSSLAND

Im Grafiksaal werden neben den Werken deutscher Meister auch die Zeichnungen von Fyodor Bogorodsky (1895-1959) exponiert. Eines der fuehrenden sowjetischen Kuenstler, zeichnete sich Bogorodsky – ein ehemaliger Jurist, Akrobat und Teilnehmer des Ersten Weltkrieges – durch seine Begabung aus und war in der Sowjetunion in erster Linie fuer seine Bildnisse revolutionaerer Seefahrer sowie obdachloser Kinder und Jugendlicher bekannt. Ende 1920er Jahre wurde die Kunst im sowjetischen Russland von proletarischen Tendenzen dominiert. Bogorodsky lebte 1928-29 als Stipendiat in Berlin, wo er Ausstellungen und Kuenstlerateliers besuchte, neue Stroemungen kennenlernte und das Alltagsleben beobachtete. Seine Eindruecke hielt er in den Zyklen Auf den Strassen von Berlin. Wir und sie, Aus der Reise nach Deutschland und Zirkus in Berlin fest. Diese Zeichnungen, die im Stil des deutschen Expressionismus ausgefuehrt wurden, spiegeln eine Seite von Bogorodskys Schaffen wider, welche dem breiten Publikum unbekannt ist. 
Fyodr Bogorodsky machte seine Ausbildung in den Jahren 1922-1924 in den Moskauer Hoeheren Kuenstlerisch-Technischen Werkstaetten unter der Leitung von Abram Arkhipov (1862-1930), einem bekannten impressionistischen Maler und Mitbegruender von Soyuz russkikh khudozhnikov (dt. Bund russischer Maler). Gerade durch seinen Lehrer lernte er die Prinzipien der Naturbeobachtung, die Besonderheiten der individuellen Charakterisierung im Portraet und den kraftvollen Umgang mit dem Pinselstrich kennen. Nach der Diplom-Verteidigung im Jahr 1927, bekam Bogorodsky ein Auslandsstipendium und lebte zwischen 1928 und 1930 in Italien und Deutschland. Die Arbeiten, die waehrend dieser Reise entstanden, waren nur wenigen bekannt. Seine Epoche verlangte nach den heroisch-romantischen Sujets, was die spaetere Thematik von Bogorodskys Hauptwerke bestimmen sollte. Doch egal in welchem Stil dieser Meister gearbeitet und egal welches Thema er aufgegriffen hatte, seine Arbeiten waren stets ausdrucksstark und bewegend. 
Sein Interesse fuer den Zirkus entwickelte Bogorodsky in seiner Jugend. Schon als Gymnasiast trat er auf der Buehne als Akrobat und Taenzer auf. Als Maler griff er wiederholt aehnliche Sujets auf. So gibt es in der Sammlung des Radishchev Museums das Gemaelde Harlekin (1910er), das stilistisch dem Jugendstil zuzurechnen ist. Seine Zeichnungen aus der Serie Zirkus in Berlin weisen AEhnlichkeiten zu einer exzentrischen Kostuemstudie fuer ein Ballett von Serge Diaghilev, dem bekannten Impresario und Gruender der Balletts Russes, den der Kuenstler in Berlin kennenlernte. 
Viele Arbeiten aus der Serie Im Cafe. Berlin wurden vom Kuenstler nicht betitelt. Das sind lakonische und als Nahaufnahmen konzipierte Studien konkreter Menschen: der Cafe-Besucher. Bogorodsky zeigt sich hier als hervorragender Meister des psychologisierenden Bildnisses. Zugleich gehoert jeder seiner Protagonisten zu einem bestimmten Sozialtypus und steht fuer eine bestimmte Gesellschaftsschicht. 
Die Serie Auf den Strassen von Berlin ist mit zwei Zeichnungen vertreten. Im Gegensatz zu den Cafe-Besichern sind die Gestalten auf den Berliner Strassen entindividualisiert. Bogorodskys wichtigstes Ziel ist hier die Welt der Wohlhabenden der Welt der Obdachlosen gegenueberzustellen. 
Wie der Kuenstler in seinen Erinnerungen festhaelt, lebte er in Berlin in einem Arbeiterviertel, in der „bescheidenen Wohnung der Installateurin einer Telefonfabrik“. Obwohl die Gegend um die Fabrik nicht besonders pittoresk war, machte er dort taeglich Skizzen. Die Landschaften aus der Serie Aus der Reise nach Deutschland zeigen scheinbar anspruchslose Motive, die voller Frische und poetischer Stimmung sind. 
Alle Zeichnungen von Fyodor Bogorodsky werden in der Exposition zum ersten Mal dem Publikum praesentiert. Wir hoffen, dass die Begegnung mit diesen Werken, die unter dem Eindruck der Deutschlandreise entstanden, vielen Besuchern ermoeglichen wird, eine neue Seite im Schaffen dieses wunderbaren Meisters zu entdecken. 

DRUCKGRAFIK
DEUTSCHLAND

Die deutsche Druckgrafik bildet eines der bedeutendsten und mannigfachsten Sammlungsgebiete unseres Hauses. Im Radishchev Museum werden hervorragende Bespiele der Druckgrafik des 16. bis 19. Jahrhunderts aufbewahrt, die in verschiedenen Techniken ausgefuehrt wurden: Holzschnitt, Kupferstich, Radierung und Lithografie. Zu den Highlights dieser Kollektion zaehlen Werke deutscher Renaissancemeister. Dazu zaehlen die Blaetter von der Hand Martin Schongauers (1445/50-1491), Albrecht Duerers (1471-1528), Lucas Cranachs (1475-1553), Hans Baldung Griens (1484-1545), Heinrich Aldegrevers (1502-1555/1561) und Virgil Solis‘ (1514-1562). Am besten ist das Œuvre von Hans Sebald Beham (1500-1550) vertreten: Dazu gehoert die Serie Das Bauernfest oder die zwoelf Monate (1546) und einige Einzelblaetter. Der groesste Teil dieses Bestandes kam in die Museumssammlung im Jahr 1900 von Arkady Dmitriyevich Stolypin (1822-1899), einem Artilleriegeneral und Schriftsteller, dem Vater des bedeutenden Reformators Pyotr Stolypin. Er stellte eine hervorragende Kollektion der deutschen Druckgrafik zusammen und vermachte sie nach seinem Tod dem Radishchev Museum. 
Gut vertreten ist zudem die Druckgrafik des Barock und Rokoko: Dazu gehoeren vorwiegend Sujets aus dem Alten und Neuen Testament, Allegorien und zahlreiche Lithografien des 19. Jahrhunderts, darunter Landschaften, Portraits und Genreszenen. In dieser Publikation werden dem Leser ausgewaehlte Blaetter der grossen Meister des 16. Jahrhunderts praesentiert. Die meisten dieser Stuecke werden erstmalig veroeffentlicht. 

PORZELLAN
DEUTSCHLAND

Die Kollektion des deutschen Kunsthandwerks ist zahlreich und mannigfach. Aus dem Interieur des Museums lassen sich die deutschen Moebeln, vor allem die reich geschnitzten Schraenke des 17. Jahrhunderts, gar nicht wegdenken. Besonders vielfaeltig ist die Sammlung des Porzellans des 18.-19. Jahrhunderts aus den Manufakturen von Meissen, Berlin und anderen deutschen Produktionsstaetten. Der Grundstein fuer diese Sammlung wurde mit der Schenkung der „vierzig Stuecke des alten Sachsenporzellans“ seitens des Museumsgruenders gelegt. In den 1920er Jahren wurden viele Objekte vom Staatlichen Museumsfond unserem Haus ueberstellt. Die letzte bedeutende Ergaenzung ereignete sich 1971, als eine Saratower AErztin Olga A. Gordeeva, die eine hervorragende Kollektion des ueberwiegend in Deutschland produzierten Porzellans zusammengestellt hatte, diese dem Museum vermachte. Die Exposition ermoeglicht die Originale aus Sachsen mit den Erzeugnissen zu vergleichen, die nach Vorbildern aus Meissen in den russischen Manufakturen produziert wurden: So verfuhr sowohl die Gardner-Fabrik, als auch das Gschel-Keramikzentrum im Verlaufe des gesamten 19. Jahrhunderts. Auf dem zentralen Treppenpodest im ersten Stock des Gebaeudes ist die beruehmte Kameenvase aufgestellt, welche 1846 nach einem Sonderauftrag des Kaisers Friedrich Wilchelm des IV. in einer Berliner Fabrik ausgefuehrt und als Geschenk dem russischen Aussenminister Karl Robert Graf von Nesselrode (1780-1862) uebergeben wurde. 
Erzeugnisse der beruehmten Meissner Manufaktur – der ersten europaeischen Manufaktur, die Porzellan produzierte – sowie die Produkte der Fabriken in Berlin, Thueringen und Bayern eroberten schnell die gesamte Welt. Russland war keine Ausnahme – so befinden sich im Bestand des Radishchev Museums ueber 800 solcher Porzellangegenstaende, die im Verlaufe des gesamten Bestehens des Hauses in die Sammlung kamen. Deutsches Porzellan gehoert zu den Schmuckstuecken der permanenten Exposition; Geschirr und Statuetten werden wiederholt in den Ausstellungen gezeigt, die sowohl im Museum selbst als auch ausserhalb stattfinden. Wir stellen in diesem Katalog dem Leser einzelne Exponate vor, die es ermoeglichen, eine Vorstellung von der Vielfalt dieses Teils der Kollektion zu bilden. Die meisten dieser Objekte werden zum ersten Mal publiziert. 

STEINZEUG 
DEUTSCHLAND

Fuer sein Steinzeuggeschirr war Deutschland nicht weniger bekannt, als fuer das feinste Meissener Porzellan. Hergestellt aus dem hoechst qualitativen Ton, erlangte es durch den Brand einen dichten fast porenlosen Scherben und war zur Aufbewahrung von Wein aus fruchtbaren rheinischen Weinguetern ideal geeignet. Im 16.-17. Jahrhundert fanden Becher, Kannen, Bier- und Weinkruege aus Keramik deutschlandweit Verbreitung und es ist kein Zufall, dass das Bild, das viele von einem deutschen Buerger haben, das eines froehlichen Herren mit einem Bierkrug in der Hand ist. Die meisten Werkstaetten, die solche Keramik produzierten, befanden sich im Suedwesten des Landes, im Westerwald (Rheinland-Pfalz), der reich an Vorkommnissen der Tonerde von notwendiger Qualitaet war. In der zweiten Haelfte des 19. Jahrhunderts, in der Zeit des Historismus, erlebt die Nachfrage nach Steinzeuggeschirr eine neue Bluete. Kruege und Kannen – reich geschmueckt mit pflanzlichen und geometrischen Ornamenten im Stil vergangener Epochen, mit fantasievollen Wappen, mit Szenen aus dem Altem und Neuem Testament sowie aus dem Leben des Adels und Buergertums im Mittelalter und versehen mit vielen moralisierenden Inschriften ueber den Nutzen und die Risiken des Weinkonsums – fuellen den antiquarischen Markt. Sie verschoenern nicht nur den Alltag der Mittelschicht, sie werden nebst dem alten Keramikgeschirr zu einem Sammelgegenstand. Alexey Bogolyubov, ein grosser Bewunderer des Kunsthandwerks, konnte gegenueber solchen Stuecken nicht gleichgueltig bleiben: Gerade von ihm stammte der groesste Teil unserer deutschen Keramikobjekte. Die meisten von ihnen wurden im Kannenbaeckerland (Westerwald) hergestellt. Durch einzelne Objekte wird die historistische Keramik aus Annaberg in Sachsen sowie aus den in Bayern gelegenen Regensburg und Creussen vertreten. Dieser Teil der Sammlung wird zum ersten Mal publiziert. 
Die Zuschreibung und Datierung der meisten dieser Stuecke konnte dank freundlicher Unterstuetzung von Dr. Irmgard und Werner Enders (Regensburg) praezisiert werden. 

BUECHER
DEUTSCHLAND 

Zum Bestand des Museums gehoeren zahlreiche alte deutsche Buecher. Alexey Bogolyubov bestimmte von Anfang an zwei Richtungen, in die dieser Teil der Sammlung erweitert wurde: Zum einen erwarb er Buecher, die einen kuenstlerischen Wert besassen (Sammlung seltener Buecher), und zum anderen diverse Nachschlagewerke, Ausstellungs- und Sammlungskataloge, oder Kuenstlerhandbuecher, die er fuer seinen privaten Gebrauch und fuer die Bibliothek der Zeichenschule kaufte.
Ein hervorragendes Beispiel des kuenstlerischen Buchdrucks des 18. Jahrhunderts ist die mehrbaendige Naturgeschichte der vierfuessigen Thiere und Naturgeschichte der Voegel von Georges-Louis Leclerc Buffon, die 1772-1777 in Berlin in deutscher UEbersetzung publiziert wurde. Der Katalog der Grossen Berliner Kunstausstellung von 1895 befand sich in der Bibliothek des Museumsgruenders und wurde der Bogolyubov Zeichenschule vermachtet. Gut vertreten ist die Buchkunst des Art Nouveau. Als Beispiel der Kooperation der Dichter und Kuenstler kann der 1891 herausgebrachte Lurlei: Ein Bilder-Cyclus zu Julius Wolff’s gleichnamiger Dichtung von W. Kray und L. W. Heupel genannt werden. Zum Buecherbestand gehoeren ferner einige mehrbaendige Werke zur Kunsttheorie und - geschichte, darunter die von Robert Dohme herausgebrachte Kunst und Kuenstler der ersten Haelfte des 19. Jahrhunderts sowie diverse Kuenstler-Monographien usw. 

RUSSISCH-DEUTSCHE KULTURVERBINDUNGEN

Der UEberblick der Museumssammlung zeigt, dass sich in Russland fuer deutsche Kunst Vertreter ganz unterschiedlicher Gesellschaftsschichten interessierten: Hochadel, Staatsbeamte, Kaufmaenner. Zu den bereits erwaehnten Namen der Sammler deutscher Kunst sollten noch die Namen der russischen Deutschen hinzugefuegt werden, deren Sammlungsstuecke heute im Museum aufbewahrt werden. Zu den Exponaten aus der Sammlung des Grafen Anatoly Nesselrode (1850-1923) – des Enkels des bereits erwaehnten Aussenministers Karl Robert Graf von Nesselrode – der ein Landgut in Saratov Gouvernement besass, zaehlen neben der bereits erwaehnten Kameenvase ein Fragment einer antiken Skulptur sowie das Gemaelde Dorffest des David Teniers des Juengeren (1610-1690). Einen grossen Beitrag zur Entwicklung russischer Kultur leistete Vladimir Vladimirovich von Mekk (1877-1932), der unter anderem die Zeitschrift Mir iskusstva (dt. Welt der Kunst, 1898-1904) sowie Diaghilevs Ballets Russes in Paris finanzierte. Sein Interesse als Sammler oblag der russischen Kunst um 1900. Aus seiner Kollektion kamen ins Radishchev Museum solche Meisterwerke wie Sturm. Regen und Landschaft von Isaak Levitan (1860-1900) und Weib mit dem Kind von Filip Malyavin (1869-40). Eine weitere Landschaft von Isaak Levitan wurde dem Museum von einem Petersburger Kunstwissenschaftler, Sammler und Maezen Pyotr Petrovich Weiner (1879-1931) geschenkt. Evgeny Anatolyevich Gunst (1901-1993), Sohn des beruehmten Architekten Anatoly Ottovich Gunst, uebergab dem Museum ein hervorragendes Stillleben von Pyotr Utkin (1877-1934). Utkin-Bestand wurde 1970 betraechtlich erweitert, als das Museum bei Galina L. Schreter, der Erbin beruehmter russischer Architekten deutscher Abstammung, ueber zwanzig Landschaften dieses Kuenstlers kaufte. Alle genannten Objekte waren ausgesprochen bedeutende Erwerbungen und schmuecken heute die permanente Museumsexposition. 
Radishchev-Museum organisierte mehrere Ausstellungen deutscher Maler und exponierte seinerseits eigene Sammlung russischer Maler in den Museen Deutschlands. So wurden in Deutschland zwei grosse Kunstschaus organisiert: Russische Realisten aus der Sammlung des Museums im Jahr 1980 in Duisburg und Die grosse Utopie – Russische Avantgarde 1915-1932 im Jahr 1992 in Frankfurt am Main, New York und Amsterdam, bei der unser Haus zu den Hauptteilnehmern zaehlte. 
Wesentlich haeufiger tritt das Museum als Gastgeber der Ausstellungen deutscher Kunst auf. Die groesste Exposition dieser Art, die in Saratow in ihrem Ausmass und Bedeutung bis heute nicht uebertroffen wurde, war die am 28. Dezember 1924 eroeffnete Ausstellung des deutschen Expressionismus, die den Titel Vystavka germanskikh khudozhnikov (dt. Kunstschau deutscher Maler) trug. Sie wurde in drei Staedten Russlands gezeigt: in Moskau, Sankt Petersburg und Saratow, wo sie auf zwei Etagen des Hauses verteilt wurde. In den Abschnitten Politische Kunst, Expressionismus, Abstrakter Expressionismus und Konstruktivisten wurden Malerei, Graphik, Architektur- und Designprojekte praesentiert. Zu den Teilnehmern zaehlten Heinrich Zille (1858-1929), Emil Nolde (1867-1956), Kaethe Kollwitz (1867-1945), Oskar Kokoschka (1886-1980), Otto Dix (1891-1969) und George Grosz (1893-1959). Im Verlaufe der Ausstellung wurden von Saratower Kuenstlern Vortraege und Disputen organisiert. Die Exkursionen wurden von den Studenten der Kunstfachschule gefuehrt, die dafuer von Otto Nagel (1894-1967) extra geschult wurden. Innerhalb von drei Monaten, in denen die Ausstellung gezeigt wurde, besuchten sie achttausend Menschen.Zu den bedeutendsten Projekten der letzten zwei Jahrzehnte zaehlen Graphik des deutschen Expressionismus (1993), Hampelmann und Matryoshka. Holzspielzeug in Deutschland und Russland. Aus den Museen und Privatbesitz Deutschlands und Museen Russlands (1999) usw. Im Vorfeld des Deutschlandjahres in Russland und Russlandjahres in Deutschland 2012-2013 wurde im Museum die Ausstellung von Sigmar Polke (1941-2010) veranstaltet. 
Dem deutsch-russischen Kulturaustausch des Radishchev Museums, der sich, wie wir hoffen, weiter entwickeln wird, sind keine Grenzen gesetzt. Das Vorantreiben dieser Entwicklung stellt fuer uns eine wichtige Zukunftsaufgabe dar.
Tatyana Savitskaya,
Kuratorin der Ausstellung 
Tanja Malysheva
Uebersetzung

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